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27.04.2020

Unterricht im Chatroom

Wegen Corona: Angehende Pflegefachleute werden akutell digital unterrichtet.

„Guten Morgen, sind alle da?“, Stephanie Hübscher die Leiterin der Juliusspital Berufsfachschulen für Pflege Würzburg sitzt im Büro an ihrem Schreibtisch. Sie hat einen "Ohrstöpsel" im Ohr, vor sich den Laptop stehen und unterrichtet die angehenden Pflegefachkräfte, die am 1. April mit der Ausbildung „Pflegefachmann/Pflegefachfrau“ am Standort Stadtmitte starteten.

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Bis zum 19. April waren die zwölf Schülerinnen und Schüler bei ihren praktischen Ausbildungsträgern im Einsatz, jetzt geht es mit dem theoretischen Teil weiter, den die Schüler – in Zeiten von Corona – aktuell im virtuellen Chatroom verbringen und dort digital unterrichtet werden.

Über eine App „treffen“ sich Schüler und Lehrer im virtuellen Chatroom und halten dort ihren Unterricht ab, genau nach Stundenplan. Die Lehrer sind dazu entweder zu Hause oder in der Schule, die Schüler sind alle daheim.

Theorie jetzt in Homeschooling

Homeschooling nennt sich das Ganze, das für die nächsten sechs Wochen die Basis bildet für die theoretische Ausbildung der angehenden Pflegefachleute. Das dazu notwendige Unterrichtsmaterial stellt die Schule in einer Schulcloud bereit. „Die Schüler können sich da alles herunterladen, was sie für den Unterricht brauchen, auch alle Arbeitsaufträge, die sie erledigen müssen. Das bearbeitete Material laden sie dann wieder in die Cloud hoch, geben es so an den Lehrer zurück, der es dann kontrollieren und korrigieren kann“, erklärt Hübscher.

Gruppenarbeit in Chatrooms

Ebenfalls bietet die App die Möglichkeit, in verschiedenen Chatrooms in verschiedenen Gruppen gemeinsam Arbeitsaufträge miteinander zu bearbeiten. Der Lehrer kann sich dazu jederzeit aufschalten und so unterstützen, Fragen beantworten und Hilfestellung geben.

Kein Einzelfall im Moment sei Corona. Kleine Fotos zeigen Stephanie Hübscher die Schülerinnen und Schüler zu Hause vor ihren Laptops. Genauso sehen diese ihre ihrer Lehrerin, die gerade Unterricht hält zum Thema "Zum Handeln anleiten".

Diszipliniert im Umgang miteinander

„Diese Form des Unterrichts strengt schon an“, erklärt Hübscher. Sie steht nicht vor der Klasse, sondern sitzt vor dem Bildschirm. Das erfordert Konzentration und auch das ganz genaue Hinhören. „Die Interaktion miteinander fehlt, man muss viel mehr nachfragen, da man so nicht sieht, ob die Schüler das, was wir gerade behandeln, auch verstanden haben.“ Auf der anderen Seite sieht Hübscher es von Vorteil, wieder einmal die Kommunikationsregeln zu lernen und zu befolgen. Das heißt genau zuhören, den anderen ausreden lassen und diszipliniert miteinander umgehen.

Schüler und Lehrer loggen sich via App ein

Ihr Stellvertreter Kai Walz hat die App „alfaview“ für die Schule eingerichtet, mit der nun – während Corona – an den Juliusspital Berufsfachschulen für Pflege unterrichtet wird. Lehrkraft Hannah Zenglein hat die Schüler geschult, ihnen die App auf ihre jeweiligen Rechner installiert, ihnen gezeigt, wie die App funktioniert, wie sie sich einloggen, in virtuellen Chatrooms arbeiten und dort auch Arbeitsaufträge erledigen können.

Genutzt werden für dieses neue Schulprojekt die privaten Rechner der Schüler und ausgemusterte Rechner der Pflegeschule, die – aus Sicherheitsgründen – nicht im Server des Juliusspitals eingeloggt sind.

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Stephanie Hübscher kann sich gut vorstellen, dass diese Art des Unterrichts auch in Zukunft ergänzend zum „normalen“ Unterricht in der Schule laufen kann. „Es wird eine Ergänzung sein, die wir beibehalten werden, aber kein Ersatz für den Unterricht“, betont die Schulleiterin.

Nicht virtuell, sondern ganz „normal“ gestartet ist indessen am 27. April der Kurs für angehende Altenpflegehelfer an der Juliusspital Berufsfachschulen für Pflege - natürlich unter Berücksichtigung aller Hygiene-Regeln des Infektionsschutzgesetzes. Die 13 Schülerinnen und Schüler sitzen allein, im Abstand von eineinhalb Metern voneinander entfernt. 

Der richtige Ansatz für einen attraktiven Pflegeberuf

Generalistik macht Pflegeausbildung attraktiver: Im Gespräch mit Stephanie Hübscher, Leiterin der Juliusspital Berufsfachschulen für Pflege Würzburg

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder doch Altenpflege? Auszubildende in Pflegeberufen müssen sich künftig nicht mehr gleich zu Beginn ihrer Ausbildung entscheiden, welchen Weg sie gehen. Denn der Gesetzgeber hat eine neue generalistische Pflegeausbildung mit dem Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“ eingeführt. Sie ermöglicht, nach der Ausbildung in allen Versorgungsbereichen zu arbeiten, in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege.

„Für mich ist das der richtige Ansatz um den Pflegeberuf attraktiver zu machen“, sagt Stephanie Hübscher, die Leiterin der Juliusspital Berufsfachschulen für Pflege Würzburg. „Diese Ausbildung wertet die Pflegeberufe auf und erhöht die Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten der Pflegekräfte.“

Bei der Generalistik werden in den ersten beiden Ausbildungsjahren allen Auszubildenden der Kranken- Kinderkranken- und Altenpflege gemeinsame Lerninhalte vermittelt, sie haben aber die Möglichkeit, einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung zu wählen. Wer sich zu Beginn der Ausbildung für die Alten- oder Kinderkrankenpflege entschieden hat, kann sich nach diesen zwei Jahren nochmal neu entscheiden.

Wer die generalistische Ausbildung im dritten Jahr fortsetzt, erwirbt den Abschluss zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Auszubildende, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können für das dritte Ausbildungsjahr statt des generalistischen Berufsabschlusses einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Kinderkrankenpflege erwerben. Einen Einzelabschluss in der Krankenpflege soll es künftig nicht mehr geben.

Mehr berufliche Flexibilität

„Mit dieser Ausbildung habe ich die Möglichkeit in allen Bereichen von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu arbeiten ohne mich gleich auf einen festlegen zu müssen“, sagt Hübscher. Der Vorteil liegt für sie auf der Hand: „Ich kann meine individuellen Stärken meinen Bedürfnissen und Lebensphasen anpassen.“ Denn die Ausbildung bietet ein umfassendes pflegerisches Verständnis, das es den Pflegekräften ermöglicht, sich schnell in die jeweiligen Spezialgebiete mit ihren unterschiedlichen Anforderungen einzuarbeiten. Das führt zu mehr beruflicher Flexibilität in den verschiedenen Arbeitsbereichen. „Sie macht den Pflegeberuf attraktiver und wirkt dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegen. Zudem erhöht sie die Qualität der Pflege“, ist Hübscher überzeugt.

Anforderung an Pflege hat sich verändert

Doch warum werden die bisherigen Pflegeausbildungen in einer generalistischen neu gestaltet? „Zwischen den verschiedenen Ausbildungen gab es schon immer viele Überscheidungen in vielen Bereichen wie z. B. Anatomie und Pflegewissenschaft. Und praktische Erfahrungen in einem Bereich lassen sich nutzbringend in andere Bereiche übertragen“, erklärt Hübscher. Die Anforderungen an die Pflege und die pflegerischen Versorgungsstrukturen haben sich in den vergangenen Jahren verändert und sind vielschichtiger geworden.

„In Pflegeeinrichtungen und durch ambulante Dienste werden Menschen zunehmend auch medizinisch versorgt. Umgekehrt steigt in medizinischen Versorgungseinrichtungen wie Krankenhäusern der Anteil der Menschen, die pflegebedürftig sind – etwa aufgrund einer Demenzerkrankung oder ihres hohen Alters“, sagt die Schulleiterin was bedeutet, die Trennung zwischen akuter Pflege und Langzeitpflege weicht zunehmend auf.

Eine Pflegefachkraft mit generalistischer Ausbildung kann zukünftig im gesamten EU-Gebiet arbeiten. „In den anderen Ländern der EU gibt es diese Ausbildung schon immer, die haben keine Differenzierung wie es in Deutschland bisher war“, erklärt Hübscher.

Voraussetzung für die neue Ausbildung ist ein Mittlerer Schulabschluss oder eine zehnjährige allgemeine Schulbildung. Hauptschulabsolventen können die Ausbildung absolvieren, wenn sie über weitere Qualifikationen verfügen.